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Die Burg / Das Schloss Aerzen

Vor langer Zeit wurde Burg oder Schloß Aerzen als Ganerbenburg genutzt. Sie gehörte den Familien derer von Münchhausen und derer von Hardenberg je zur Hälfte. Wie das des öfteren bei geteilten Burgen oder Schlossern so war, bekamen sich die Parteien in die Haare. Mal ließen sich die Streitigkeiten durch Schiedsprüche des Lehensherrn schlichten. Dann wieder sprach die Kirche durch Erzbischof, Bischof oder Fürstabt ein angeblich himmlisches Machtwort. Seltener kaufte die eine die andere Partei als neuer Besitzer aus der Burg oder dem Schloß heraus. Gelegentlich löste sich das Problem durch Heirat.

In der Burg Aerzen lief die Sache hingegen nicht so glimpflich ab. Die Streithähne durchliefen zwar den, heute so genannten, Dienstweg der Schlichtung, aber das mit dem Herauskaufen oder mit der Kinderheirat klappte irgendwie nicht. Es wurde keine Einigung erzielt. Damit blieb nur noch eine Version der unrühmlichen Einigungen. Belagerung, Vertreibung, Schlacht oder Mord. Zu Beginn der Lösungen auf üble Weise verwüstete Stats von Münchhausen den Burgteil von Heinrich von Hardenberg. Der ließ sich nicht lange bitten und belagerte Stats in dessen Burgteil. Heinrich erwies sich gegenüber von Stats als zu mächtig. Stats floh. Heinrich richtete sich in Burg Aerzen so gut es ging häuslich und schnell ein. Dann galt es Stats zu finden und auf irgendeine Art und Weise zur Lösung zu kommen. Da Stats aber nicht zu den ungelittenen Grafen gehörte war das mit dem Auffinden nicht so einfach und verlangte nach einer Suche auf der listigen Art und Weise.

Heinrich sandte Boten an den gemeinsamen Herren und gleichzeitig in die nahen und fernen Orte und Städte. Irgendwo musste sich Stats ja aufhalten. Nach einiger Zeit war es so weit. Stats wurde beim Bischof von Hildesheim aufgefunden. Eine Klageschrift war schnell verfasst und Stats verlor seinen Aufenthaltsort. Er musste Hildesheim verlassen. Darauf hatte Heinrich mit einer kleinen Truppe von Rittern und Reitern nur gewartet. Als man Heinrich meldete sein Gegner sei auf dem Weg Hildesheim zu verlassen, legte er die Rüstung an, stieg auf sein Pferd und ließ seine Gruppe in Richtung Hildesheim reiten. Vor der Stadt teilte er seine Streitmacht auf um nicht doch wieder Stats entkommen zu sehen. Heinrich hatte aber Glück. Seine Truppe ritt Stats entgegen. Trotz der vergangenen Streitereien beschloss Heinrich sich an die Ritterlichkeit zu halten und gab Befehl, das ihm keiner zu Hilfe kommen sollte. Es sei seine Sach und die wollte er auch allein, so oder so, beenden.

Stats verließ also die Mauern von Hildesheim im Glauben das Heinrich eine längere Anreise haben könnte. Leider ein Irrtum, der sich ausweitete. Stats sah den Heranstürmenden samt Begleitung und begriff das die Flucht sinnlos war. Da half nur noch alles auf eine Karte setzen, weil eine gütliche Einigung nicht mehr möglich war. Stats ließ sich seine Lanze reichen. Dann galt es alles oder nichts. Stats und Heinrich legten die Lanzen an und gingen ins Ziel. Es wäre möglich gewesen das Stats der Sieger war, aber ohne Rüstung gegen eine scharfe Lanze anzureiten, das bedurfte schon mehr als eine gehörige Portion Glück und Mut. Die hatte Stats hier und heute aber nicht. Seine Lanze prallte zwar kraftvoll gegen den Schild von Heinrich, aber der vergalt den Stoß mit gleicher Kraft. Seine Lanze glitt an Stats’s Schild ab und drückte sich jedoch nicht zur Außen- sondern zur Innenseite. Damit war es um Stats geschehen. Heinrichs Lanze durchbohrte Stats Oberkörper und holte den Grafen endgültig aus dem Sattel.

Heinrich gönnte seinem Gegner eine ehrenhafte Beerdigung und sah den Streit mit Stats als erledigt an. Normalerweise wäre das auch so. Mancher Streit geht aber so aus, dass der Falsche den Sieg davon trägt. So war es auch hier. Stats war zwar im Recht, aber er war der, der im Kampf unterlag. Als solcher verfolgte Stats seinen ehemaligen Gegner auf Erden als Geist, jeweils an dessen Geburtstag. Dann suchte Stats den Heinrich auf, um ihm in der Nacht die Ruhe zu rauben. Was ihm dabei auch immer gründlich gelang. Als es dann für Heinrich auch so weit war sich von der Erde zu verabschieden, zeigte sich zu seinem Erstaunen Stats und holte seinen Ex-Gegner ins ewige Licht. So verließen beiden, die im Leben ziemliche Streithammel waren, die irdischen Gefilde, um sich, wann immer es so sein sollte, einer höheren Macht zu beugen.