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Das Hagenburger Schloß

Einst war das heutige Steinhuder Meer von dichten Wäldern und Mooren umgeben. Auch gab es nicht nur den Abfluss durch den späteren, so genannten, Steinhuder Meerbach. Das Wasser kam von einigen kleinen Bächen sowie durch unterirdische Kiesbänke von der Leine her. Im Prinzip schien alles in Ordnung zu sein. War es aber nicht. Im Untergrund gab es nicht nur Sand, Kies und Mergelschichten. Nein, da gab es auch Salz- und Kalischichten. Diese begannen nach einigen Erdbeben, die im Weserbergland auftraten, Schwierigkeiten zu machen. Salz und Kali vertragen sich halt nicht sehr gut mit eindringendem Wasser. Ein Teil der Kali- und Salzlager dehnten sich aus, andere wurden aufgelöst oder bildeten Verwerfungen und Höhlen. Damit suchte der Boden an der Oberfläche Ausgleiche zu schaffen oder zu finden. Die ganzen Unwägbarkeiten brauchten natürlich ihre Zeit, aber am Ende gab der Untergrund nach und langsam bildete sich eine Wasserfläche. Zum Schluss der ganzen Bodensenkungen gab es das spätere, so genannte, Steinhuder Meer. Das war aber noch um ein vielfaches Größer als das von heute was aber auch nicht für immer und ewig so blieb. Pflanzen machten sich am Ufer breit und bei widrigen Windverhältnissen wurden große Wassermengen bewegt. Diese schlugen als Wellen ans Ufer und dort durch Schilf oder Reed.

Zeiträume später hatten die Bodenabspülungen das Steinhuder mit einigem Sand gefüllt, womit die Wassertiefe geringer wurde. Von den sich ausdehnenden Salz- und Kalischichten wurde weiterhin Erdreich samt weiteren Gesteinsschichten in die Höhe gedrückt. Mit diesen Verwerfungen wurde das Steinhuder Meer gleichfalls geringer. So fanden später dann einwandernde Jäger das Gebiet vor. Es gab für sie Baumaterial genug. Tiere bot der Wald in Hülle und Fülle und das Steinhuder Meer, das damals allerdings noch einen anderen Namen trug, bot reichlich Fisch an. Nur Angeln oder Speeren musste der Jäger seine Beute noch. Nach und nach wuchs die Zahl der Anwohner. Dann gab es ab und zu mal einen teils handfesten Streit mit den Nachbarn. Im Großen blieb die Zahl der Menschen im Umfeld des Steinhuder Meeres aber annähernd gleich. Daran änderten auch die größeren Kriege zwischen Sachsen, Franken, Ritter, Grafen und Fürsten nicht viel. Waren einmal die Zahlen der Meeresanwohner durch den Krieg verringert, so zogen rasch neue Anwohner zu um die Lücken zu füllen.

Da die Zeit nicht stillsteht, schrieb man irgendwann das Jahr 1370 und die Grafen von Schaumburg machten sich im Gebiet des heutigen Steinhuder Meeres breit. Hier erbauten sie unter anderem die Burg Hagenburg/Hagenborch. Nach einigen Wechseln der Besitzer und Umbauten kam die Burg Hagenburg an Graf Friedrich Christian zu Schaumburg-Lippe, der den Südflügel samt Durchfahrt anbaute. 1800 wurde dann der Umbau zum Schloss beendet. Neues Personal wurde eingestellt sowie die Einrichtung auf den neuesten Stand gebracht.

Vom Personal besahen sich einige Angestellte die wertvollen Teile genauer. Besonders die kostbaren Dinge, die sich leicht transportieren ließen lagen des Öfteren vor Augen neugieriger Betrachter. So blieb es nicht aus das sich besonders Habgierige unter den Bediensteten zu einer Gemeinschaft zusammen taten. Als Anführerin zeichnete sich im Laufe der Zeit die Kammerzofe der amtierenden Fürstin aus. Natürlich bemühte man sich um Geheimhaltung und stellte zunächst eine Liste der Dinge zusammen, die man leicht gegen Imitate austauschen konnte. In aller Ruhe und Stille fertigte man die Nachbildungen an und legte sie griffbereit für den großen Tag bereit. An diesem sollte dann der große Schlag stattfinden. Es musste nur noch der Transportweg und die Flucht als solche organisiert werden.

Dann war es für die verschworene Bande so weit. Die fürstliche Familie begab sich auf eine Reise zu Verwandten und wollte einige Wochen dort verweilen. Was die Diebesbande aber nicht bedacht hatte, sollte sich noch rächen. Da reiche Familien nicht komplett unwissend sind, haben immer irgendwo Zuträger von Nachrichten. So auch hier. Unter den Angestellten gab es einen, von diesen Verrätern. Von diesem erfuhren es die Fürsten von Schaumburg-Lippe. Daher war der Plan der Diebe schon länger bekannt und der Gegenplan lag auch schon bereit. Man wartete also von beiden Seiten nur noch auf den Start. Der kam an dem Termin, zu dem die Fürsten auf dem Weg zu ihren Verwandten waren. Die Diebesbande räumte nach Abreise ihrer Herren alles an Diebesgut zusammen und legte oder stellte die Nachbildungen an die Stellen, an denen sich zuvor noch die Originale befunden hatten. Sorgfältig wurde von ihnen alles verstaut um nicht doch noch aufzufallen.

Der Zuträger merkte sich alles. Nachdem die Raubgesellen den Weg zur Weser einschlugen, um sich dort einzuschiffen, um möglichst schnell außer Landes zu kommen, machte sich auch der, in fürstlichen Diensten stehende, Verräter auf den Weg. Die Räuber waren mit ihrem Karren natürlich weitus langsamer als ein Reiter und dieser nutzte auch noch zeitsparende Seitenwege, womit er schneller zu einem Treffpunkt kam. Hier warteten bereits fürstliche Soldaten in einer Herberge. Rasch gab der Verräter die Informationen weiter und machte sich nach Erhalt des Lohnes auf den Weg zu seinen Verwandten. Um nicht doch noch mit seinem ehemaligen Dienstherren in Konflikt zu geraten, ließ er auch sein Pferd zurück. Die Soldaten beeilten sich hingegen um ihren Teil des Planes zu erfüllen.

Am erkundeten Punkt verteilten sie sich in einem Hohlweg und brauchten dort auch nicht lange auf die Flüchtigen zu warten. Wie berichtet fanden sie auch die Beute in den Behältnissen und die Diebe kamen zunächst in Schloss Hagenburg in Haft. Man verhörte sie ausgiebig. Dabei kam nach und nach auch die Hierarchie in der Bande heraus. Auch konnte eine Aufstellung der entwendeten Gegenstände erstellt werden. Als die fürstliche Familie zurückkehrte, waren die Vorgänge des Raubes aufs Sorgfältigste notiert und die Urteile, als Vorschlag für den Fürsten, bereitgelegt. Der Landesherr befragte die Angeklagten selbst noch einmal. Natürlich widerrief die Diebesbande alle Aussagen und beschuldigte sich mehr oder weniger gegenseitig. Auf Grund dieses Durcheinanders glaubte der Fürst aber eher seinen eigenen Vertrauten und unterzeichnete die Urteile. Am kommenden Tag wurden diese dann vollstreckt. Die Leichen der Gehängten kamen, wie es zu dieser Zeit noch üblich war, auf den Teil des Friedhofes, auf dem seit jeher unredliche Menschen ihre Ruhe fanden. Die Erde in diesem Bereich war nicht geweiht da man den Übeltätern, keinen Zugang in das Reich Gottes ermöglichen wollte, wenn der es nicht wollte.

Seit diesem, für die Verurteilten, unheilvollen Tag spukt es an den Todestagen der Diebe sowie an den jeweiligen Geburtstagen im Schloss. Die Mitglieder der Diebesbande erschrecken dann einen zu neugierigen Kellergänger durch Stöhnen und Kettenrasseln. Da aber bisher niemand nach dem Grund ihres Spukens oder einer Möglichkeit nach einer Erlösung gefragt hat, spuken sie auch noch heute. Oder hat schon jemand gefragt? Vielleicht wären sie ja dann erlöst worden und hätten ihre Ewige Ruhe gefunden. Wer weiß?